Meinung von David Liebenthal

Muzur, Lina: Frauenprobleme

Meine Meinung:
Was kann ich zu „Frauenprobleme“ von Lina Muzur sagen? Dieses Buch ist auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen zieht es sich ziemlich. Beides liegt an der gleichen Sache: verschiedene Frauen aus dem Umfeld der Herausgeberin berichten über ihr Leben und ihre… na ja, (Frauen)Probleme. Einerseits zeigt sich dadurch ein schönes Bild, denn wenn sich Sachen wiederholen oder unterscheiden, zeigt dies dass sie einerseits persönlich und andererseits in einem gewissen Maß allgemein sind. Vor allem in diesen kleinen Reibungen liegt für mich die Stärke des Buches: Sind die Probleme von Frauen biologisch bestimmt oder ist Biologie überbewertet? Welche Bedeutung haben Partnerschaft und Kinder? Welche Rolle spielt Wut? Und gleichzeitig werden die Texte doch früher oder später etwas gleichförmig, etwas beliebig. Ja, die Mental Load und Care Arbeit sind wichtige Thema, persönlich und gesellschaftlich, aber auf einem so schmalen Büchlein sooft davon zu lesen wirkt etwas ermüdend. Zudem sind die Texte durch die Verfasserinnen und deren Nähe zur Autorin gesellschaftlich etwas eingeschränkt: Die Frauen sind in einem ähnlichen Alter, meistens in der Kunst-/Medienbranche, in der Regel heterosexuell, etc… Ein breiteres Spekturm an Teilnehmerinnen wäre schön gewesen – und trotzdem zeigt auch diese kleine Gruppe schon schön, wie unterschiedliche manche Probleme trotz ihrer häufigen Thematisierung gewichtet oder behandelt werden.
Mein Tipp: das Buch als Zweitlektüre neben einem schönen Roman lesen und immer mal einen Text lesen, damit die „Gewöhnung“ ausbleibt.

ISBN 9783446285873, Verlag: Hanser Berlin, 22,00 €

Inhalt laut Verlag:
Lina Muzur erhält 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen – eine moderne Bestandsaufnahme einer ganzen Generation und ein kollektives Porträt weiblicher Realität.
Wie leben Frauen heute? Wie gehen sie um mit Schicksalsschlägen, dem gesellschaftlichen Wandel, dem Älterwerden, der Erschöpfung? Dies ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, in der die Frauen selbst zu Wort kommen. Frauen, die wütend sind, die alleinerziehend sind, die ihre Heimat verloren haben, ihre Eltern, ihre Nerven. Sie haben kleine oder große Kinder, die sie lieben, aber sie sind zerrissen. Es geht ihnen gut, sagen sie. Sie hatten Glück im Leben, sagen sie. Sie brauchen ihre Freundinnen mehr denn je, sagen sie. 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, in denen sie offen, intim und halb anonym über all das sprechen, was man mal abfällig Frauenprobleme nannte. Ein Chor weiblicher Stimmen, der unbeschönigt und radikal zeigt, wo eine ganze Generation steht.

Share this Post