Eine Empfehlung von David Liebenthal

Sigusch, Res: Unbegründete Ängste

Meine Meinung:
Wie lebt es sich als schwuler, junger Mann im ländlichen Sachsen? Natürlich gibt es darauf nicht eine einzige Antwort, aber Res Sigusch gibt in „Unbegründete Ängste“ zumindest einen möglichen Einblick. Christian ist 30 und hat Angst – Angst vor dem Rechtsruck, Angst vor der Zukunft, Angst vor der Einsamkeit. Und diese Ängste, ob unbegründet oder nicht, stellt das Buch zusammen und begleitet Christian bis in eine ausgewachsene Panik-Störung. Dass Christian dabei nicht die einzige Figur ist, aus deren Sicht erzählt wird (und auch ganz sicher nicht die einzige Figur mit Angst), macht das Buch vielschichtig und komplex. Es ruht sich nur bedingt in Gemeinplätzen aus und zeigt stattdessen Figuren, die widersprüchlich und dadurch zutiefst menschlich sind.

ISBN 9783827015310, Verlag: Berlin Verlag, 24,00 €

Inhalt laut Verlag:
Christian Lotz (30) lebt als queerer Single in einer sächsischen Kleinstadt. Jeden Sonntag trifft er sich mit seinen Eltern zum Sektfrühstück, unter der Woche arbeitet er im Fitnessstudio. Muskulös und gutaussehend – seine Mutter schwärmt, er sehe aus wie David Beckham Anfang der 2000er –, ist er innerlich von Unsicherheit geplagt und sorgt sich im Grunde um alles: Wie wirkt er auf andere? Warum findet er nicht den richtigen Mann? Was bringt die Zukunft in Zeiten von Klimawandel, Rechtsextremismus und Pandemien? Und ist er nicht vielleicht längst unheilbar krank, wie ihm seine täglichen Internetrecherchen weismachen wollen? Seine Antwort ist stets die größtmögliche Katastrophe. So wächst in Christian eine existenzielle Angst, die bald keinen Anlass mehr kennt. Erst als seine Lage unübersehbar wird, öffnet er sich seinem Umfeld – und erfährt: Geteilte Angst ist halbe Angst. Und manchmal braucht es bloß einen Funken Mut.

Share this Post